Sam ist (nicht ganz) neu bei uns

Sam kam bereits Ende März 2019 aus Bulgarien zu uns. Aber Sam wäre nicht Sam, wenn er schon genau wüsste, was er möchte. Allen Miezen, die neu bei uns ankommen, müssen wir Zeit geben, damit sie uns zeigen können, was sie möchten. Möchte die neue Mieze unbedingt einen Kumpel zum Spielen und Toben oder lieber eine/n ruhigen Partner/in, möchte die neue Mieze lieber Einzelprinz/essin sein …
Das Verhalten der neuen Katze und ihre Vorgeschichte zeigen uns, welches Zuhause sie möchte. Manche Katzen zeigen das direkt, manche brauchen einige Zeit und verändern sich noch im Verhalten.
Und dann gibt es da noch Katzen wie Sam. Sam hat lange auf der Straße in Bulgarien überlebt (leben kann man das dort nicht nennen), keine Erfahrung mit Menschen gemacht, zumindest keine gute, mit Sicherheit schlechte Erfahrung mit anderen Straßenkatzen, Kampf ums Überleben, Kampf um jeden Bissen zu futtern. Dazu noch irgendwann mal, wahrscheinlich als Kitten, eine fiese Erkrankung überlebt, wie z. B. Katzenseuche, und davon bleibende neurologische Störungen behalten. Anders gesagt, Sam kannte nix, verstand nix, wusste nicht, wie er sich verhalten soll, den anderen Miezen und auch den Menschen gegenüber. Und er lernt sehr langsam, neue Dinge, Umgebungen, Menschen, Katzen, Hunde, alles wirkt auf ihn am Anfang einschüchternd. Dann noch eine lange Reise in ein fremdes Land.
Jetzt könnte man fragen, warum denn noch ihm die Reise und den Umzug von der Pflegestelle in Bulgarien nach Deutschland antun, wenn er schon dort Schwierigkeiten hatte. Wer Bulgarien kennt, weiß die Antwort: Sam hat mit so einem Handicap so gut wie Null Chancen, dort ein Zuhause zu finden. Also haben wir ihn zu uns geholt.
Sam hat hier in den Monaten eine beeindruckende, fantastische Entwicklung durchgemacht. Er ist nicht mehr ängstlich, traut sich überall hin, rennt rum, spielt, kuschelt.
Er hat gelernt andere Katzen zu verstehen und sein Verhalten angepasst, sodass er viel besser zurechtkommt im Umgang mit anderen Katzen. Er hat gelernt, wie er mit anderen spielen kann, ohne dass sie Angst vor ihm bekommen. Sein Selbstbewusstsein ist so stark gewachsen, er zeigt jetzt, wann er was möchte, geht hin, wo er möchte, alles ohne Angst.
Sam entwickelt sich zu einem (fast) ganz normalen Hauskater, der die Gesellschaft anderer Katzen mag, gerne Zeit mit seinen Menschen verbringt, sich Schmuseeinheiten holt, wenn er es möchte, und viel gechillter ist.
Noch macht er von Woche zu Woche spürbare Fortschritte, noch ist er nicht so sicher mit allen, dass wir wirklich wissen, was er möchte, was für ein Zuhause er sucht.
Und solange Sam noch die Welt für sich entdeckt, sich entwickelt, so lange haben wir Geduld und genießen die Zeit mit ihm. Vielleicht in ein paar Wochen, vielleicht erst in Monaten, ist Sam so weit, dass wir ihm einen großen Onlineauftritt gönnen, um sein Zuhause zu finden.